Einstieg in die Feuerfest-Industrie: Die Veitscher Magnesitwerke1881 

Der folgenreiche Fund in der Steiermark

Auf der Suche nach Kupfererz stieß Carl Spaeter im Jahr 1881 auf Magnesit. Die Entdeckung in Österreich eröffnete ihm neue Möglichkeiten bei der Stahlherstellung. Die Veitscher Magnesitwerke brachten ihm eine Monopolstellung ein.

Bereits im Jahr 1879 hatte Carl Spaeter zusammen mit seinem Geschäftsfreund Max Sachs, einem Erzhändler aus Breslau, mit dem Manganspat-Bergbau im Kleinveitschtal in der Steiermark begonnen. Erfolg hatten die beiden damit zunächst nicht. Die auftretenden Probleme veranlassten Carl Spaeter im Sommer 1881, anlässlich eines Kuraufenthaltes in Karlsbad, persönlich in Veitsch nach dem Rechten zu sehen. 

In Österreich stieß er auf der Suche nach einem Vorkommen von Kupfererzen auf ein zunächst unbekanntes Mineral. Auch die Fachmänner, die ihn begleiteten, waren zunächst ratlos. Sie untersuchten das Mineral und kamen zu dem Ergebnis, dass sie hoch-feuerfestes, basisches Magnesit von höchster Qualität entdeckt hatten.

Carl Spaeter (2. v.l.) bei einer Wanderung im Veitschtal

Dieser Fund eröffnete Carl Spaeter neue Möglichkeiten bei der Stahlherstellung. Er eröffnete die weltweit erste Fertigung basischer Feuerfesterzeugnisse für die Eisen- und Stahlindustrie. Die Veitscher Magnesitwerke hatten in den folgenden Jahrzehnten eine Monopolstellung auf dem internationalen Magnesitmarkt.

Um sich sämtliche Vorkommen zu sichern, schloss das Unternehmen Pachtverträge mit den örtlichen Grundbesitzern ab. Anschließend begann der Tagebau mit zunächst vier Arbeitern. Für die industrielle Verwendung musste das Magnesit jedoch noch auf 1.400 bis 1.500 Grad erhitzt werden. Dadurch reduziert sich das Gewicht um circa die Hälfte. Das Verfahren nennt sich Sintern. 

Bis die Veitscher Magnesitwerke ein produktionsreifes Ofenmodell konstruiert hatten, waren fünf Jahre vergangen. Danach ging die Absatzkurve beim Sintermagnesit steil nach oben. Das belegen Geschäftszahlen aus der Zeit: Im Jahr 1886 hatte das Unternehmen noch 2.600 Tonnen Rohmagnesit und 117 Tonnen Sintermagnesit versandt. Zwei Jahre hatte sich das Verhältnis nahezu umkehrt: Da waren es noch 497 Tonnen Rohmagnesit und bereits 2.118 Tonnen Sintermagnesit.

Werksanlagen der Veitscher Magnesitwerke

Im Zuge dieser Entwicklung erwarb Carl Spaeter ab 1887 weiteren Grund und Boden in der Region. Und er investierte in die Produktion. Im Jahr 1899 hatte das Unternehmen bereits 16 Öfen. Die Arbeiter produzierten außerdem in einer eigenen Steinfabrik. 

In Anbetracht der enormen Investitionssummen verlor Max Sachs bald den Mut. Bereits im Jahr 1888 hatte er seine Anteile an seinen Geschäftsfreund Carl Spaeter verkauft. Danach firmierte das Unternehmen unter dem Namen „Carl Spaeter Magnesitwerke Veitsch“. Der Aufschwung hielt an, denn die Arbeiter entdeckten in der Nähe weitere wertvolle Mineralvorkommen.

Um den Abtransport der produzierten Tonnen aus dem engen Tal sicherzustellen, errichtete die Leipziger Maschinenfabrik Bleichert eine 6,5 Kilometer lange Seilbahn. Dadurch war es möglich, einen 1.075 Meter hohen Bergrücken zu überwinden. Die Seilbahn kostete 250.000 Gulden und ging 1898 in Betrieb. Sie fuhr mehr als 50 Jahre lang.

Belegschaft der Veitscher Magnesitwerke (ca. 1900)

Die Produktion war in dieser Zeit stark angestiegen. Von 1893 bis 1897 konnte das Unternehmen die Zahlen beim Versand verdoppeln. Die „Carl Spaeter Magnesitwerke Veitsch“ beschäftigten mittlerweile 600 Mitarbeiter. Sie lebten mit ihren Familien in einer neu errichteten Werkssiedlung und waren über eine Betriebskrankenkasse versichert. 

Die enormen Investitionen konnte Carl Spaeter bald nicht mehr alleine stemmen, zumal er auch viel Geld in den Aufbau der Rombacher Hüttenwerke gesteckt hatte. Deshalb änderte er die Unternehmensstruktur in der Steiermark. Im Juli 1899 kam es unter Beteiligung eines Bankenkonsortiums in Wien zur Gründung der „Veitscher Magnesitwerke AG“, die die Anlagen in Veitsch für vier Millionen Gulden übernahm.

An der neuen Gesellschaft war Carl Spaeter mit rund 25 Prozent beteiligt. Er übernahm den Vorsitz des Verwaltungsrates, sein Schwiegersohn Wilhelm von Oswald wurde Vize-Präsident und auch Carl Spaeter junior war Mitglied des Gremiums. Dadurch wahrte die Familie Spaeter ihren maßgeblichen Einfluss. 

Auch auf einer anderen Ebene war sie aktiv: Die Firma SPAETER in Koblenz übernahm den kommissionsweisen Verkauf der Produkte aus Veitsch in die ganze Welt. Nur auf dem Gebiet der österreichisch-ungarischen Monarchie hielt sie sich zurück. Durch die Geschäfte behielt Carl Spaeter die Zügel fest in der Hand.

Das Werk hatte bald zunehmend Probleme, die große Nachfrage aus Amerika und Europa, insbesondere aus England und Russland, zu befriedigen. Aus diesem Grund ging das Unternehmen eine Kooperation mit einem Konkurrenten aus Budapest ein. 

Zum Ende des Jahres 1904 verkaufte Carl Spaeter die Hälfte seiner Aktien an das Bankenkonsortium und war ab diesem Zeitpunkt nur noch mit 12,5 Prozent am Unternehmen beteiligt. Im Mai 1905 legte er dann altersbedingt den Vorsitz des Verwaltungsrates nieder. Wenige Monate später verließ der Unternehmer das Gremium ganz.

Absatzgebiet der Veitscher Magnesitwerke, um 1892

Carl Spaeter junior blieb bis 1930 ein Mitglied im Verwaltungsrat, Wilhelm von Oswald sogar bis 1936. Der Einfluss der Firma auf das Magnesitgeschäft verlor zwar zunehmend an Bedeutung. Geschäftliche Beziehungen zwischen der SPAETER-Gruppe und der Veitscher Magnesitwerke AG blieben jedoch bis in das 21. Jahrhundert bestehen.

Das Unternehmen aus Österreich war über viele Jahrzehnte ein bedeutender Akteur im Bereich der Feuerfest-Industrie. Im Jahr 1991 kam es dann zur Übernahme durch den Konkurrent RHI. Heute erwirtschaftet die RHI Magnesita mit dem Hauptsitz in Wien und insgesamt 47 Standorten einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro. Das Hauptwerk befindet sich weiterhin in Veitsch. Die Verbindung zum Gründer Carl Spaeter lässt sich auch hier noch heute erkennen.

SPAETER raw materials | Bis heute die Experten für Rohstoffe

Auch wenn die Beteiligung an den Veitscher Mangnesitwerken schon früher aufgegeben wurden: Das Geschäft mit Feuerfest-Materialien und verschiedenen anderen Rohstoffen ist auch jetzt und SPAETER Teil der SPAETER Gruppe. SPAETER ist nämlich mehr als Stahl! Und so führt ein direkter Weg von den Veitscher Magnesitwerken zum aktuellen Geschäftsbereich Rohstoffe von SPAETER Duisburg.

Der Geschäftsbereich SPAETER raw materials hat sich bis heute als kompetenter und zuverlässiger Lieferant von industriellen Rohstoffen für die Stahl-, Gießerei-, Feuerfest-, Schleifmittel-, Kunststoff-, Gummi- und andere Industrien etabliert.

Unser Expertenteam lässt nichts unversucht, um die hochwertigsten Rohstoffe für den Produktionsbedarf einer sehr breit gefächerten Kundschaft weltweit zu beschaffen. Als unabhängiger Händler und Verkaufsagent für Rohstoffproduzenten in aller Welt können wir Lösungen für sehr spezifische Anwendungsfelder entwickeln und unsere Kunden zuverlässig mit einer durchdachten globalen Logistik versorgen.

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