Ende der 1940er Jahre beginnt im Westen Deutschlands ein dynamischer wirtschaftlicher Aufschwung, der – unterbrochen lediglich von einer Konjunkturdelle in den Jahren 1966 und 1967 – bis zur Ölpreiskreise des Jahres 1973 anhält. An dieser dynamischen Entwicklung nehmen auch die Unternehmen der SPAETER Gruppe teil. Die boomende Baukonjunktur befeuert den Bedarf an den von den Unternehmen der SPAETER Gruppe gehandelten Erzeugnissen. Die Gruppe prosperiert. Stolzer Ausdruck dieser Entwicklung: Die in den späten 1950er Jahren errichtete Unternehmenszentrale im Herzen Duisburgs.
Die neue Unternehmenszentrale spiegelt den fortschrittsorientierten Zeitgeist der 1950er / 1960er Jahre. Ein modernes und repräsentatives Statement eines erfolgreichen Unternehmensverbundes. Noch im Jahr 1983 dient das Gebäude als Drehort für den ARD-Tatort mit dem Titel „Miriam“ (Erstausstrahlung: 4. April 1983). In einer Szene mit den Kommissaren Schimanski und Thanner wird vor allem das imposante Treppenhaus in Szene gesetzt.
Der Komplex ist aber auch mit den für die späten 1950er Jahre typischen bautechnisch energetischen Mängeln behaftet. Eine wirtschaftlich sinnvolle Sanierung ist kaum möglich. Auch wird der Standort für die innerstädtische Entwicklung benötigt. Nach einer Abrissfeier im September 2005 macht das Gebäude Platz für den Neubau des Einkaufszentrums Forum Duisburg. Die Zentrale der SPAETER Gruppe war bereits in den Vorjahren an den heutigen Standort am Philosophenweg 17 im Duisburger Innenhafen umgezogen.

Im Boom der 1950er/1960er Jahre konzentriert sich die SPAETER Gruppe zunehmen auf das Handelsgeschäft mit Stahl und Metallerzeugnissen. Neugründungen und Akquisitionen untermauern das Wachstum.
So beginnt z.B. im Jahr 1959 die Suche nach einem Standort für eine neue Niederlassung im Südwesten. Es wird ein Grundstück von mindestens 30.000 qm, idealerweise mit Hafenanschluss, benötigt. Darüber sollen zahlreiche lukrative Aufträge, u.a. für den Ausbau von Raffinerien und anderer industrieller Anlagen sowie für Brücken- und Stadionbauten, bedient werden, die ausgehend vom Stahlbau bei SPAETER Hamburg in Südwestdeutschland akquiriert werden. Schon Anfang 1960 beginnen die Bauarbeiten für einen neuen Standort in Karlsruhe. Am 5. Mai 1960 wird die Carl Spaeter GmbH, Karlsruhe – heute SPAETER Südwest – neu gegründet.
Auch im Westen kommt es am 26. November 1960 zu einer Neugründung, die das Gesicht der SPAETER Gruppe bis heute prägt. Mit der Errichtung des im Herzen des Ruhrgebietes gelegenen Lagerstandortes von SPAETER Oberhausen wird zugleich die Grundlage zur Etablierung der SPAETER Gruppe als führender Handelsorganisation für Trägerprodukte in Deutschland gelegt.
Soweit sich entsprechende Möglichkeiten ergeben, werden auch Mitbewerber übernommen. So erfolgt zum 1. September 1972 die Akquisition des Stahlhandels Kölling in Bad Salzuflen. Das Unternehmen geht im Jahr 1978 in der F. HACKLÄNDER GmbH in Kassel auf, die den Standort in Bad Salzuflen auch heute noch betreibt.

Auch an den übrigen Standorten der durch SPAETER Duisburg geführten Handelsorganisation wird umfassend investiert. In Erweiterung der Liegenschaften wie auch in den Fuhrpark sowie technische Anlagen und Maschinen. Als wegweisend erweist sich die Expansion von HACKLÄNDER Kassel auf ein im Jahr 1966 erworbenes Betriebsgelände in Kaufungen. Mit einer Hallenfläche von ca. 56.000 qm wird dort heute der leistungsfähigste Lagerstandort der SPAETER Gruppe betrieben. Allein in Kaufungen werden ständig mehr als 60.000 t Stahl, Edelstahl und Aluminium bevorratet.
In die Phase des Wachstums der SPAETER Gruppe während der Dekaden des Wirtschaftswunders fällt auch der Eintritt der nunmehr vierten Generation der Familie Spaeter in das Unternehmen. Der im Jahr 1924 geborene Mathias Spaeter hatte eigentlich eine Karriere im Weinbau – für die Region um Koblenz ja mehr als typisch – angestrebt. Nachdem die beiden älteren Brüder jedoch nicht aus dem Krieg zurückgekehrt waren, erlernt er ab April 1952 den Kaufmannsberuf von der Pike auf. Erst dabei zunächst in den Unternehmungen der sog. Chemischen Gruppe tätig. Am 5. Mai 1972 wird er schließlich zum Geschäftsführer der SPAETER Gruppe – zunächst noch gemeinsam mit seinem schon wenige Jahre später verstorbenen Vater – bestellt.

Mit zunehmender Konzentration auf den Bereich des Handelsgeschäfts zieht sich die SPAETER Gruppe Zug um Zug – teilweise auch ungewollt und aus wirtschaftlichen Gründen – aus anderen Geschäftsfeldern zurück. So gerät etwa das Geschäft des Stahlbaus in Hamburg, für den erst zwei Jahre zuvor der neue Standort in Billbrook errichtet worden war, in eine erhebliche wirtschaftliche Schieflage. Etwa die Hälfte der Belegschaft muss freigesetzt werden. Da sich der Erfolg auch danach nicht mehr einstellt, wird der Bereich Stahlbau – mit Ausnahme des bis heute betriebenen Schwimmdachgeschäfts – vollständig eingestellt.

Ursprünglich hervorgegangen u.a. aus den verbliebenen Besitzungen der Rombacher Hüttenwerke, verfügt die SPAETER Gruppe nach dem Zweiten Weltkrieg über verschiedene – in der sog. Düsseldorfer Chemischen Gruppe gebündelte – Beteiligungen an Unternehmen der chemischen Industrie. Dazu gehören u.a. die Chemischen Werke Rombach in Oberhausen und die Agricultura in Düsseldorf, in der Mathias Spaeter seine ersten Schritte als Kaufmann unternimmt. SPAETER ist jeweils zu 2/3 beteiligt, die restlichen Anteile hält die Concordia Bergbau AG aus Oberhausen. Im Zuge der Konzentration auf das Stahlgeschäft wird das Paket der SPAETER Gruppe zum 1. Januar 1971 auf den Mitgesellschafter Concordia übertragen und das Kapitel „Chemische Gruppe“ in der Unternehmensgeschichte der SPAETER Gruppe geschlossen.

Bereits im Jahr 1964 hatte sich die SPAETER Gruppe durch den Verkauf der Beteiligung an die Fichtel & Sachs AG, Schweinfurt, von der in den 1930er Jahren aus der HANKO hervorgegangenen heutigen Stabilus SE getrennt. Die HANKO selbst, die sich nach dem 2. Weltkrieg als BMW Vertragshändler im Raum Koblenz und Umgebung etabliert hatte, wurde schlussendlich im Jahr 2009 an die Harkvoort-Gruppe abgestoßen. Mit diesem Verkauf hat zugleich der Prozess der Wandlung der SPAETER Gruppe in ein reines Handelshaus mit klarem Schwerpunkt im Bereich Stahl und NE-Metalle seinen Abschluss gefunden.








