Die Geschäftsidee, die zur Gründung der HANKO führt, geht auf die Kaufleute Hans Aschoff, Koblenz, und Oscar Cüpper, Bullay a. d. Mosel, zurück, die sich bereits seit den 1910er Jahren mit dem Handel von Kraftfahrzeugen befassen. Auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern hatte auch die SPAETER Gruppe in diesem Feld bereits Pflöcke eingeschlagen und sich die Alleinvertriebsrechte für Fahrzeuge der US-Marke „Packard“ für weite Teile des Deutschen Reiches gesichert. In dieser Verbindung kommt es am 8. Mai 1924 zur Gründung der „HANKO Industrie- und Handelsgesellschaft mit beschränkter Haftung“ mit Sitz in Koblenz. Die Firmierung HANKO schlägt dabei für das ursprünglich Koblenzer Unternehmen Carl Spaeter die Brücke zum damaligen Firmensitz in Hannover. Der Sitz war im Zuge der Besetzung des Rheinlandes nach dem Ersten Weltkrieg vorübergehend dorthin verlegt worden, bevor sich schlussendlich die Zentrale in Duisburg etabliert.

Zu Beginn werden vor allem Fahrzeuge aus amerikanischen Heeresbeständen des Ersten Weltkriegs an- und verkauft, sowie Zubehör und Ersatzteile gehandelt und eine Reparaturwerkstatt aufgebaut. Mit Aufhebung der Importsperre für ausländische Automobile in das Deutsche Reich nimmt das Importgeschäft mit Packard-Fahrzeugen zügig Fahrt auf. Weitere Vertretungen für die Marken Paige, Nash (1928), Chrysler und Plymouth (1930) kommen bald hinzu. Bereits zu Beginn des Jahres 1929 wird eine schnell außerordentlich erfolgreiche Niederlassung in der mondänen Reichshauptstadt Berlin errichtet.
Schon ab 1933 macht sich jedoch die Wirtschaftspolitik der Nationalsozialisten nachteilig im Geschäft der HANKO bemerkbar: Der Import ausländischer Fahrzeuge wird weitgehend unterbunden, deutsche Hersteller sollen gestärkt werden. Vor diesem Hintergrund nimmt HANKO jetzt auch inländische Marken – mit mäßigem Erfolg – ins Sortiment auf. Bis zum Kriegsausbruch im Jahr 1939 wird aber auch eine Lücke im Zolltarif für Fahrzeugkomponenten genutzt, die z.B. die auch die Ford-Werke schon lange anwenden: Um die Einfuhrbeschränkungen zu umgehen und ein deutsches Modell zu schaffen, kombiniert HANKO nämlich ein Plymouth-Chassis mit einem Chevrolet-Motor. Diese kreative Lösung führte zur Geburt des „Rheingold“, einem einzigartigen Automobil, von dem bis Kriegsbeginn 1939 wahrscheinlich etwa 2.000 Exemplare produziert werden.
Die protektionistische Zollpolitik des nationalsozialistisch diktatorisch regierten Deutschen Reiches bildete damit den Auslöser für eine bemerkenswerte Fußnote in der Unternehmensgeschichte der SPAETER Gruppe. Leider sind keine historischen Aufnahmen des Rheingold bekannt.

Der Zweite Weltkrieg bringt umfassende Zerstörung über das Stadtgebiet von Koblenz. Auch die Produktionsanlagen und Verwaltung von HANKO werden vollständig vernichtet. Damit sind auch alle Dokumente, technischen Zeichnungen und alle anderen Archivalien, die Auskunft zum HANKO Rheingold geben können verloren. Auch die Suche nach einem überlebenden Rheingold-Fahrzeug bleibt lange erfolglos, da viele dieser Fahrzeuge von der Wehrmacht eingezogen werden und an den Fronten verloren gehen.

Erst in den 1970er Jahren wird in der damaligen Tschechoslowakei ein letzter Rheingold entdeckt und schließlich zurück nach Koblenz gebracht, um ihn zu restaurieren. Im Jahr 2017 wird diese Rarität schließlich an Jürgen Kolle für seine Sammlung im Automuseum Braunschweig übergeben. Dort wird auch der Innenraum originalgetreu restauriert und das Fahrzeug wieder fahrtüchtig gemacht.

Die unvollständige Aktenlage machte die genaue Identifizierung und Datierung des Rheingold-Modells zu einer besonderen Herausforderung. Da nicht einmal mehr eine Bedienungsanleitung existiert, wird das Fahrzeug zunächst fehlerhaft auf das Baujahr 1930 taxiert (und mit diesem Hinweis auch ausgestellt), was vor dem Hintergrund der durch die NS-Zollpolitik getriebenen Entwicklungsgeschichte jedoch kaum Sinn macht. Anhand der verbauten Komponenten wird diese Einschätzung später auf das wahrscheinliche Baujahr 1933 revidiert: Das Chassis des heute im Automuseum Braunschweig (www.automuseum-braunschweig.de) ausgestellte Rheingold basiert auf einem Plymouth Six PD De Luxe, der zwischen März 1933 und Januar 1934 gebaut wurde. Er ist mit einem Ende 1933 gebauten Sechszylinder-Motor von Chevrolet mit 3.053 cm³ und 70 PS ausgestattet.
Auch eine Preisliste für das Rheingold-Modell existiert nicht. In der Ausgabe Februar 1933 der ADAC Motorwelt findet sich ein Angebot der HANKO für einen Plymouth Six PD De Luxe zum Preis von 5.800 Reichsmark. Der weniger aufwendig ausgestattete Rheingold dürfte wohl etwas günstiger gewesen sein.

Nach dem Krieg beginnt HANKO einen Neuanfang als Vertragshändler für BMW und andere Marken. Ab dem Jahr 1954 werden ausschließlich Fahrzeuge der Marke BMW vertrieben. Das Unternehmen expandiert zügig und betreibt schließlich Standorte in Andernach, Dierdorf, Koblenz und Neuwied. Im Zuge der Fokussierung der SPAETER Gruppe auf das Handelsgeschäft im Bereich Stahl und NE-Metalle wird das Unternehmen zum 1. Mai 2009 an die Harkvoort-Gruppe veräußert. Die HANKO beschäftigt zu diesem Zeitpunkt etwa 165 Mitarbeitende.

In einem engen thematischen, personellen und räumlichen Konnex zur HANKO entsteht im Jahr 1934 die Stabilus. Die Grundlage bildet die Entwicklung der ersten hydraulischen Hebelstoßdämpfer, mit denen die unbefriedigende Straßenlage der aus den USA importierten Fahrzeuge optimiert wird. Das aus der SPAETER Gruppe hervorgegangene Unternehmen mit Sitz in Koblenz firmiert heute als Stabilus SE. Es ist als Hersteller von Gasdruckfedern und hydraulischen Dämpfern weltweit vor allem als Zulieferer der Automobilindustrie tätig. Die SPAETER Gruppe hatte sich bereits im Jahr 1964 mit dem Verkauf der Anteile an die Fichtel & Sachs AG, Schweinfurt, endgültig aus diesem Geschäftsfeld verabschiedet.






