Bereits unmittelbar nach der Niederlage des Deutschen Reiches im 1. Weltkrieg und dem damit einhergehenden Verlust der Hütten- und Bergwerke in Lothringen, werden die Geschäfte der SPAETER Gruppe grundlegend neu aufgestellt. Dazu wird zum einen der Sitz der Rombacher Hüttenwerke nach Koblenz verlegt. Dies verbunden mit dem Ziel, aus den verbliebenen Rombacher Besitzungen einen neuen, vertikal integrierten Eisenkonzern im Westen und Norden Deutschlands aufzubauen. Ein Unterfangen, dass schlussendlich scheitern sollte.
Zum anderen werden unmittelbar nach Kriegsende sämtliche Aktivitäten im Handelsgeschäft, u.a. die Beteiligungen an den Häusern Hamburg, Berlin, Hannover, Holzrichter und Hackländer, unter der Führung von SPAETER Duisburg zusammengefasst und zielgerichtet ausgebaut. Damit wird zugleich die Struktur der SPAETER Gruppe als Stahlhandelshaus begründet, wie wir es heute kennen.

In den turbulenten Nachkriegsjahren wird neben strukturellen und gesellschaftsrechtlichen Veränderungen auch der Kreis der Gesellschafter erweitert. Am 7. Dezember 1922 tritt mit Rudolf Spaeter und Dr. Wilhelm von Oswald die Enkelgeneration in das Unternehmen ein.
Ausgehend von der Beteiligung an der Concordia Bergbau AG, Oberhausen, versucht die SPAETER Gruppe mit den Rombacher Hüttenwerken in der Montanindustrie an Rhein und Ruhr Fuß zu fassen. Nach verschiedenen Akquisitionen, u.a. der Westfälischen Stahlwerke in Bochum und der Marienhütte in Siegen, werden bald wieder mehrere Stahlwerke, eine Reederei und andere Unternehmungen betrieben. Mit den Howaldtswerken gehört zwischenzeitlich auch eine Werft mehrheitlich zur SPAETER Gruppe.

Vor dem Hintergrund der zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Krisen in den jungen Jahren der Weimarer Republik (Hyperinflation, Ruhrkampf etc.) ist den Rombacher Hüttenwerken jedoch kein nachhaltiger Erfolg beschieden. Das Unternehmen – bzw. das, was davon noch übrig ist – wird schlussendlich im Jahr 1928 von den vereinigten Stahlwerken aufgekauft. Von diesem Zeitpunkt an bildet der Handel unter Federführung von SPAETER Duisburg den Kern der Unternehmungen der SPAETER Gruppe. Daneben bleiben die Unternehmen der Chemische Gruppe sowie das Geschäft der HANKO im Portfolio.

Die SPAETER Niederlassung in Hamburg nimmt im Kreis der Handelsgesellschaften von Beginn an eine besondere Rolle ein. Hier wird neben dem typischen Lager- und Streckengeschäft mit Eisen und Stahl eine bedeutsame Stahlbauabteilung betrieben. Mit der Errichtung bedeutsamer Brückenbauten im Hamburger Hafengebiet nimmt das Geschäft in den frühen 1920er Jahren erheblich an Fahrt auf.
Ab dem Jahr 1922 wird bei SPAETER Hamburg auch der Behälterbau in das Fertigungsprogramm aufgenommen. Der Bereich entwickelt sich zügig zu einem wichtigen Partner für die wachsende Mineralöl- und Petrochemische Industrie. In Fortsetzung dieser Tradition unterhält SPAETER Hamburg bis heute das Geschäftsfeld „Schwimmdach“ für Erdöl-Tankbehältnisse.
Mit dem Beginn der Bauarbeiten für die Hamburger Hoch- und Untergrundbahnen entwickelt sich die Hamburger Hochbahn AG ab 1926 schnell zum wichtigsten Abnehmer von SPAETER Hamburg. Ein bedeutsamer Teil der noch heute betriebenen Hamburger Hochbahnstrecken wurde ebenso wie zahlreiche Brückenkonstruktionen im Stadtgebiet von SPAETER Hamburg konstruiert und gebaut.

Mit Machtübernahme durch die Nationalsozialisten geht eine zügige Veränderung in der Abnehmerstruktur des Stahlbaus in Hamburg einher. Hatten bislang Privatunternehmen und kommunale Auftraggeber das Bild bestimmt, kommt staatlichen Aufträgen schnell eine zunehmende Bedeutung zu. Dazu gehören neben Hallenbauten für Heer, Luftwaffe und Marine vor allem Brückenkonstruktionen für die Reichsautobahnen. Mit den zusätzlichen Aufträgen steigt auch die Belegschaft rasant an und erreicht in der Spitze mehr als 900 Mitarbeitende.

Mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verändert sich die Ausrichtung der Produktion noch einmal sehr dramatisch. Auftraggeber sind jetzt vor allem die Reichsbahn sowie verschiedene Unternehmen der Rüstungsindustrie. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf gewinnt dann die Beseitigung von Kriegsschäden, insb. die Wiederherstellung zerstörter Brücken, immer mehr an Bedeutung. Zeitweise kommen dazu auch bis zu sechs sog. „Bauzüge“ hinter der Front in Russland, der Ukraine und in Litauen zum Einsatz.
In die Zeit des Nationalsozialismus bzw. des 2. Weltkrieges fällt auch das wohl dunkelste Kapitel in der Geschichte der SPAETER Gruppe. Nachdem im Kriegsverlauf immer mehr Mitarbeitende zur Wehrmacht eingezogen werden, kommen auch bei SPAETER Hamburg zunehmend sog. „Fremd- und Ostarbeiter“ sowie Kriegsgefangene zum Einsatz. Durch die Forschung (Quelle: www.zwangsarbeit-in-hamburg.de) sind drei durch SPAETER Hamburg betriebene Lager für sog. „Ostarbeiter“ und Kriegsgefangene nachgewiesen. Darin wurden wohl mindestens 300 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene - vor allem russischer, polnischer, ukrainischer sowie belgischer und französischer Nationalität - gegen ihren Willen festgehalten.

Die Geschäftstätigkeit von SPAETER Hamburg wird nach Kriegsende unmittelbar fortgeführt. Dabei entwickelt sich auch der Bereich Stahl- und Behälterbau bis in die 1970er Jahre außerordentlich dynamisch. Der Bau des im Jahre 1972 bezogenen neuen – und bis heute betriebenen – Standortes am Pinkertweg in Hamburg-Billbrook wird auf eine Belegschaft von bis zu 1.400 Mitarbeitenden ausgelegt. Der Neubau markiert damit die größte Einzelinvestition der SPAETER Gruppe nach dem 2. Weltkrieg.
Bereits kurz nach dem Umzug gerät der Stahlbau jedoch in eine erhebliche wirtschaftliche Schieflage. Schon im Jahr 1974 muss die Belegschaft von in der Spitze 1.200 Mitarbeitenden halbiert werden. Im Jahr 1979 wird der Bereich Stahlbau dann endgültig aufgeben. Bei SPAETER Hamburg wird seither das für die SPAETER Gruppe heute typisches Handelsgeschäft mit Stahlprodukten sowie als Nischengeschäft der Bereich „Schwimmdach“ betrieben.







