Aufbruch und Expansion: Von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg.1918 

Expansion und Niedergang

Die Zeit von der Jahrhundertwende bis zum Ersten Weltkrieg ist geprägt von stetigem Wachstum und der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Die Rombacher Hüttenwerke prosperieren ebenso wie das Geschäft der Veitscher Magnesitwerke. Die SPAETER Gruppe expandiert in dieser Zeit auch mit Neugründungen und Akquisitionen im Handelsgeschäft, die das Unternehmen bis heute prägen.

Die im Juli 1888 gegründeten Rombacher Hüttenwerke sind in der Phase der Industrialisierung des Deutschen Reiches maßgeblich für die Entwicklung der SPAETER Gruppe. Bereits im Jahr 1900 werden in Rombach fünf Hochöfen und ein Stahlwerk betrieben. In den Folgejahren werden drei weitere moderne Hochofenanlagen errichtet. Hinzu kommen vier Hochöfen bei der im Jahr 1905 übernommenen Moselhütte.

Hochöfen der Rombacher Hüttenwerke (um 1909)

Die SPAETER Gruppe gehört damit vor dem Ersten Weltkrieg zu Top 10 der Eisen- und Stahlerzeuger im Deutschen Reich. Allein in Rombach werden mehr als 7.000 Mitarbeitende beschäftigt.

Auch eigene Kohlegruben und Kokereien gehören zum Unternehmen. Da die Kohleversorgung einen stetigen Engpass bildet, werden noch im Jahr 1914 fast 40 Millionen Reichsmark in den Ausbau der Concordia Bergbau AG in Oberhausen investiert. Eine Investition, die einen wichtigen Grundstein für den Wiederaufbau nach dem Verlust der Besitzungen in Elsass-Lothringen nach dem Ersten Weltkrieg bildet.

Blick auf die Zeche Concordia in Ober¬hausen (Ansichtskarte 1928 gelaufen)

Auch die auf den bereits im Jahr 1879 begonnenen Manganspat-Bergbau zurückgehenden Veitscher Magnesitwerke in Österreich entwickeln sich über die Jahrhundertwende rasant weiter. Die Größenordnung der zum Wachstum notwendigen Investitionen veranlassen Carl Spaeter – der zeitgleich erhebliche Mittel in den Ausbau der Rombacher Hüttenwerke investiert –, im Jahr 1904 den Großteil seiner Anteile abzustoßen. Gleichwohl hält die Gruppe an der Beteiligung und vor allem am Vertrieb der Veitscher Erzeugnisse fest.

Belegschaft der Veitscher Magnesitwerke (ca. 1900)

Auch in anderen Bereichen zeigt sich Carl Spaeter visionär, wenngleich nicht in jedem Belang durchgängig erfolgreich. In seiner Funktion als Präsident der Handelskammer Koblenz bemüht er sich bereits ab 1883 um die Kanalisierung bzw. Stauregulierung der Mosel zwischen Metz und Koblenz. Nicht ohne Eigeninteresse: Die Schiffbarkeit zwischen den Eisen- und Kohlerevieren Saargebiet/Luxemburg/Lothringen und dem Ruhrgebiet hätte den Transport von Montanerzeugnissen in die Rhein-Ruhr-Region deutlich verbilligt. Das Projekt scheitert – nachdem über 20 Jahre lang immer neue Vorstöße unternommen werden – schlussendlich auch an der Lobby der um wirtschaftliche Nachteile fürchtenden Eisenbahn- und Ruhrindustrie.

Stolzer Ausdruck eines prosperierenden Unternehmens: Die Zentrale in Koblenz

Auch wenn sich die Aktivitäten der SPAETER Gruppe im ausgehenden 19. Jahrhundert auf die Werke in Veitsch und Rombach zu konzentrieren scheinen, bleit gleichwohl das Handelsgeschäft prägend. Die Zentrale an der Rheinzollstraße in Koblenz bildet das Zentrum aller Aktivitäten. Zur Jahrhundertwende wird das Unternehmen als offene Handelsgesellschaft mit den Teilhabern Carl Spaeter sen., Carl Spaeter jun. und Wilhelm Oswald geführt und ist in die folgenden Geschäftsbereiche gegliedert:

- Handel mit Erzen, Thomas- und Puddeleisen und Legierungen
- Handel mit Gießerei-Roheisen, Hämatit, Gießerei-Koks, Grafit und
- Magnesithandel

Der Außendienst erfolgt durch angestellte Mitarbeiter, die unter ihrem eigenen Namen, aber mit dem Zusatz „Vertreter von Carl Spaeter, Koblenz“ auftreten. Ein in der deutschen Industriegeschichte prominenter Mitarbeiter zu dieser Zeit: Ein gewisser Peter Klöckner, der erst 1882 als Lehrling bei Carl Spaeter eingetreten war und anschließend rasant Karriere gemacht hat.

Beginnend mit der wegweisenden Gründung der Niederlassung Duisburg am 21. Dezember 1897 werden davon ausgehend weitere Niederlassungen eröffnet und Unternehmen gegründet oder übernommen.

Treiber der Expansion nach der Jahrhundertwende: Carl Spaeter jun. und Wilhelm von Oswald

In die Phase der Expansion des Handelsgeschäfts während des Booms der Gründerjahre und bis zum Ersten Weltkrieg fallen wichtige Neugründungen und Akquisitionen, die das Gesicht der SPAETER Gruppe bis heute prägen. So werden im Jahr 1904 die Niederlassungen in Berlin (14. März) und Hannover (23. Dezember) gegründet. Die Niederlassung Hannover fungiert aufgrund der Besetzung im Rheinland nach dem Krieg zeitweise sogar als Sitz des Unternehmens. Im Jahr 1905 kommt die Niederlassung Hamburg (Gründung am 26. April 1905) hinzu, die vor allem in den 1920er bis in die 1960er im neuen Geschäftsfeld Stahl- und Behälterbau prosperiert.

In dieser Zeit werden darüber hinaus auch maßgebliche Wettbewerber übernommen und in die SPAETER Gruppe eingegliedert. Im Jahr 1908 werden die traditionsreichen Handelshäuser F. Hackländer, Kassel (1. März) und Peter Holzrichter, Wuppertal (16. April) erworben. Noch in der Spätphase des Ersten Weltkrieges wird am 1. Januar 1918 das Unternehmen Von Aschenbach & Voss, Krefeld Teil der SPAETER Gruppe.